Trauma
Als psychisches oder seelisches Trauma kann man das Durchleben einer Situation bezeichnen, das mit einem seelisch einschneidenden Erlebnis verbunden ist. Zu einer Traumatisierung kommt es allerdings erst dann, wenn das Ereignis die psychischen Belastungsgrenzen des Menschen übersteigt und nicht mehr entsprechend verarbeitet werden kann, so dass ein Gefühl von Hilflosig-, Schutzlosigkeit oder Ausgeliefertsein entsteht.
Das muss dem Menschen jedoch weder im Zeitpunkt des Erlebens, noch später bewusst sein, denn er kann das Erlebnis auch dauerhaft oder über lange Zeit gänzlich vergessen oder gar verdrängen.
Ein seelisches Trauma kann sowohl durch ein körperliches als auch durch ein seelisches Erleben der betroffenen Person oder beides verursacht werden, relevant für das Trauma sind jedoch nur die seelischen Auswirkungen des Erlebens. Beispiele für Erlebnisse, die Traumen auslösen können und die jederzeit eintreten können sind: Krankheiten, Unfälle, Mobbing oder körperliche und seelische Misshandlung. Ganz zu schweigen von Gewalt, Folter, Mord, sexueller Missbrauch und Katastrophen. Aber auch emotionale Vernachlässigung und soziale Ausgrenzung können zu einer Traumatisierung führen.
Vielfach genügt auch die bloße beobachtende Anwesenheit bei einem entsprechenden Ereignis, um auf die beobachtende Person traumatisierend zu wirken. Dabei kommt es einzig und allein auf die Person an, die ein Erlebnis durchlebt. Was für eine Person traumatisierend wirkt, kann für eine andere Person problemlos zu verarbeiten sein. Aber auch das Alter ist mitentscheidend. Was jemanden im Alter von 25 Jahren nicht einmal berührt, kann im Alter von 2 Jahren prägende (traumatische) Auswirkungen haben.
Da die menschliche, wesentliche Prägung bis zum Alter von rund 6 Jahren erfolgt und bis zu diesem Alter noch nahezu ungefiltert die Umwelt wahrgenommen wird, kann zum Beispiel schon ein einziger Satz der Eltern, der das Kind als „unfähig oder dumm“ rügt, genügen, um ein Trauma und damit eine lebenslange Prägung zu manifestieren. Sogenannte „Trigger“ können Reaktionen auch später auslösen, der Grund für ein bestimmtes Verhalten oder bestimmte Abneigungen usw., ist dann für den Betroffenen nicht mehr ohne weiteres erkennbar.
Ein „Trigger“ ist ein Ereignis, das den Traumatisierten emotional an sein Trauma „erinnert“. Da das traumatisierend Ereignis im Gedächtnis zusammen mit der Wahrnehmung aller fünf Sinne abgespeichert wurde, kann zum Beispiel das Geräusch eines Silvesterknallers bei einem Menschen, der einen Bombenangriff miterlebt hat, panische Angst auslösen. Oder ein bestimmter Geruch wird subjektiv als abstoßend oder ekelerregend empfunden, weil es so in dem Keller roch, in dem der Betroffene von seinen Eltern über Nacht als Kind eingesperrt wurde.
An das eigentliche traumatische Ereignis erinnert die Person sich in vielen Fällen nicht, besonders wenn sich das Erlebnis im Kleinkindalter ereignete.
